Mit Super-8 fing alles an

Als ich mich in den 70er Jahren entschloss, das Fotografieren auf Dias umzustellen, war das bereits die Vorstufe zu meinem zukünftigen Hobby. Mir war damals schon bewusst, dass für den geplagten Betrachter nichts langweiliger war, als ein klassischer trockener Dia-Abend. Also habe ich bereits von Anfang an meine Diavorträge mit Hilfe eines Tonbandgerätes mit Musik und Kommentar vertont. Ganz komfortabel wurde es, als es mir möglich war, die Diaschauen mit Tonband und Signalgeber voll zu automatisieren.

Mein Interesse für die Filmerei wurde geweckt, als mir Mitte der 70er ein Bekannter bei einem Spaziergang seine Super-8-Filmkamera in die Hand drückte. Einen 3,5 Minuten langen Film mit 18 Bilder/sec. durfte ich vernudeln. Donnerwetter! Das war doch was! Die Aufnahmen waren unspektakulär und wurden aus der Hand gedreht. Bildstabilisatoren gab es damals noch nicht. Aber das reichte mir für die damaligen Verhältnisse, um eine weitreichende Entscheidung zu treffen: Ich kaufte mir meine eigene Super-8-Filmkamera.

Gleich mein erstes Projekt habe ich wegen der besseren Bildqualität mit 24 Bilder/sec. gedreht, geschnitten und zu einem längeren Film zusammengefügt. Für die junge Generation sei erwähnt, dass Super-8-Filme damals noch stumm waren. Aber man konnte sich den fertigen Film nachträglich mit einer Tonspur versehen lassen und war dann in der Lage, mittels eines Tonfilmprojektors einen geschnittenen, vertonten Film herzustellen. Genau das habe ich mit meinem ersten Projekt auch getan. Was war das damals toll!

Ungeschnittenes Material von der Original-Filmrolle mit allen versemmelten Aufnahmen habe ich von Anfang an nie gezeigt! Die ersten Filme entstanden in meinem unmittelbaren Umfeld innerhalb der Familie. Als 1977 dann Michael, unser erstgeborener Sohn, auf die Welt kam, produzierte ich den üblichen Klassiker: Vater filmt Kind. Millionenfach wird das heute noch auf diesem Erdball praktiziert. Wie sollte es auch anders sein. Im Laufe der Jahre wurde daraus bis ins digitale Zeitalter eine Serie von Familienfilmen, eine regelrechte Chronik, einschließlich einem Blick in die Vergangenheit bis Ende des 18. Jahrhunderts mit dem aufwendig recherchierten Video „Erinnerungen der Familie Schwarz“.

Nach ersten Versuchen, in meine Filme kleine gestellte Szenen einzufügen, kam mir 1979 die glorreiche Idee: Wir drehen einen Spielfilm! Gesagt, getan. Innerhalb des engsten Familienkreises fanden sich sofort Darsteller. So habe ich also ein Drehbuch geschrieben und es entstand unser erster noch unbeholfener Spielfilm auf Super 8: „Ein Fall für Harry Lenz“. Der kam so gut an, dass wir im Laufe der nächsten Jahre auf diese Weise noch 3 Spielfilme produzierten. Der Darstellerkreis wurde immer größer. Digitale Tricks gab es noch nicht. Also lebten unsere Filme von der Action. Wir waren jung und unbedarft und sind mit unseren Autos auf abgesperrten und abgelegenen Straßen herumgeheizt. Und was haben wir „geschossen“ und „geprügelt“! Kurz: Wir hatten Spaß bei der Arbeit!

Ja, richtig gelesen: „Arbeit“. Es war in der Tat eine Menge Arbeit für alle. Auch in der Nachbearbeitung. Wie schon gesagt, waren alle aufgenommen Szenen stumm. Also ließen wir für die Umweltgeräusche den Kassettenrecorder mitlaufen und haben alle Filme am Projektor nachsynchronisiert. Zwischenzeitlich konnte man die Filme mit zwei Tonspuren nachrüsten, was die Nachvertonung erheblich erleichterte.

Dass die Produktion eines vernünftigen Films immer ein irrer Aufwand ist, hat sich in all den Jahren bis heute im digitalen Zeitalter nicht geändert. Es ist für den Außenstehenden kaum nachvollziehbar, wieviel Arbeit in der Filmerei steckt, wenn man sie gewissenhaft betreibt. Auch bei allen meinen heutigen Dokumentationen ist das so.

In unseren dritten Super-8-Krimi bauten wir einen spektakulären Auto-Absturz ein; selbstverständlich mit Absprache und Erlaubnis des Grundstückseigentümers. Manu, einer der Darsteller, steuerte dazu ein Schrottauto bei, das bei ihm auf dem Hof stand. Arno kam mit Traktor und Hänger, um das demolierte Auto aufzuladen und Bruno´s Vater hatte einen Schrotthandel! Wie praktisch! Für alles war gesorgt! Das war unser spektakulärstes Unterfangen, für das wir mehrere Sicherheitsmaßnahmen trafen. Mit drei Kameras haben wir gleichzeitig gedreht, denn die Szene war nicht wiederholbar.

Der Trailer ist eine nette Erinnerung für alle, die damals mitgewirkt haben:

Musik im Film von Dag Reinbott/https://www.terrasound.de

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